Nachfolgend eine Beschreibung zum Hintergrund des Motives
Das Wandbild „Mädchen mit Planze“ des Kölner Künstlers Thomas Baumgärtel in Kevelaer zeigt ein Detailmotiv aus seinem groß angelegten Werkkomplex Apokalypse, der sich mit dem traditionsreichen Bildthema der Vier Apokalyptischen Reiter auseinandersetzt. In diesem Projekt greift Baumgärtel eines der eindrucksvollsten Motive der abendländischen Kunstgeschichte auf und überträgt es in eine zeitgenössische, gesellschaftskritische Bildsprache. Ausgangspunkt ist das biblische Motiv aus der Offenbarung des Johannes, das seit Jahrhunderten Künstler inspiriert hat und besonders durch die berühmte Darstellung der Reiter bei Albrecht Dürer ikonischen Status erlangte.
Das hier gesprühte Bild konzentriert sich auf eine kleine, scheinbar unscheinbare Szene: Ein Mädchen in hockender Haltung pflanzt einen jungen grünen Trieb. Die Figur ist in Baumgärtels charakteristischer Schablonentechnik ausgeführt, mit reduzierter Farbigkeit und klar konturierten Schatten. Während die Figur selbst in gedeckten, beinahe monochromen Tönen erscheint, hebt sich die Pflanze in einem leuchtenden Grün hervor und wird so zum visuellen Zentrum der Darstellung. Diese Farbdramaturgie verstärkt die symbolische Bedeutung des Motivs: Das Grün steht für Wachstum, Hoffnung und die Möglichkeit von Erneuerung.
Im ursprünglichen Gemälde aus der Serie erscheint diese Szene am Rand einer düsteren Landschaft, durch die einer der apokalyptischen Reiter zieht. Die Umgebung ist von Zerstörung, Umweltverschmutzung und Plastikmüll geprägt – ein Bild der ökologischen Krise der Gegenwart. Das pflanzende Kind bildet darin einen bewussten Gegenpol zur apokalyptischen Bedrohung. Indem Baumgärtel dieses Detail aus dem monumentalen Gemälde herauslöst und als eigenständiges Wandbild im öffentlichen Raum realisiert, verschiebt er den Fokus von der Katastrophe auf die Möglichkeit des Handelns.
